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Weinlese 2026: Österreich erntet so wenig wie seit 2010 nicht, die Steiermark kommt glimpflich davon

Leibnitz Online23. September 2026

Rund 1,77 Millionen Hektoliter Wein erwartet Statistik Austria heuer für ganz Österreich. Das sind 31 Prozent weniger als 2025 und die kleinste Ernte seit 2010. Hitze und Trockenheit haben die Trauben klein gehalten und die Lese so früh beginnen lassen wie selten zuvor.

Die Steiermark trifft das deutlich weniger. Mit geschätzten 223.490 Hektolitern liegt sie zwar 8,7 Prozent unter dem starken Vorjahr, aber 6,7 Prozent über ihrem Schnitt der Jahre 2021 bis 2025. Die Südsteiermark, das größte der drei steirischen Weinbaugebiete, erntet mit 120.175 Hektolitern ziemlich genau ein Durchschnittsjahr.

So früh wie selten

Vier Hitzewellen mit wenig Regen: So beschrieb der ORF Steiermark Mitte August den Sommer im Weinbau. Damals rechneten südsteirische Betriebe damit, teils schon Ende August zu lesen, üblich ist September. Winzer sprachen von einer der frühesten Lesen, die es in der Südsteiermark je gegeben hat. Die Hauptlese lief in der Steiermark, in Niederösterreich und in Wien Anfang September an.

Früh lesen mussten die Betriebe auch der Säure wegen. Die Reife sei so weit fortgeschritten, dass nur ein früher Beginn ein harmonisches Verhältnis von Zucker und Säure sichere, erklärte Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager.

Am meisten litten junge Anlagen. Erich Polz junior vom Weingut Polz am Graßnitzberg schilderte dem ORF, dass Reben mit noch schwachem Wurzelwerk nur mit viel Aufwand ans Wasser kommen. An den heißesten Tagen bekamen junge Stöcke ein paar Liter Wasser. Sein Vater Erich Polz verglich den Sommer mit 1991, dem ersten Hitzeschock, den er erlebt hat - seither habe man viel dazugelernt.

Die Zahlen: Steiermark gegen Österreich

Gebiet2026 geschätzt2025zu 2025Ø 2021-2025zum Ø
Südsteiermark120.175138.085-13,0 %118.615+1,3 %
Vulkanland Steiermark71.78679.898-10,2 %67.378+6,5 %
Weststeiermark31.52926.734+17,9 %23.378+34,9 %
Steiermark223.490244.717-8,7 %209.371+6,7 %
Österreich1.766.3882.561.566-31,0 %2.344.746-24,7 %

Weinernte in Hektolitern. 2026: vorläufige Schätzung, Stand 31. August 2026; 2021 bis 2025: endgültige Ergebnisse. Durchschnitte der Weinbaugebiete selbst berechnet. Quelle: Statistik Austria, Ernteerhebung.

Pro Hektar bringt die Südsteiermark heuer rund 45 Hektoliter, nach 52 im Vorjahr. Zum Vergleich: 2024, im letzten schwachen Jahr, waren es nur 35. Damals kam die ganze Steiermark auf 159.247 Hektoliter - die heurige Ernte liegt um 40 Prozent darüber.

Der Rückgang trifft fast nur den Weißwein. Steirischer Weißwein kommt auf 176.820 Hektoliter, fast elf Prozent weniger als 2025. Rot- und Roséwein bleibt mit 46.671 Hektolitern auf dem Niveau des Vorjahres. Für die Südsteiermark zählt vor allem die erste Zahl: Neun von zehn Hektar Rebfläche tragen dort Weißwein.

Kleine Beeren, gesunde Trauben

Bei der Qualität zeigt sich derselbe Unterschied. Statistik Austria vergibt für die Traubenentwicklung Noten von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht). Der steirische Weißwein bekommt 1,9, also gut, der österreichische Schnitt liegt bei 3,0. In der Südsteiermark sind es 1,9 für Weiß- und 1,8 für Rotwein.

Schmuckenschlager rechnet österreichweit mit einem ausdrucksstarken, aromatischen Jahrgang, das Traubenmaterial komme sehr gesund und reif in die Keller. Die kleinen Beeren haben eine Kehrseite: Sie geben weniger Most.

Für die Betriebe ist die kleinere Menge nicht automatisch ein gutes Geschäft. Schmuckenschlager verwies bei der Erntebilanz Anfang September auf sinkenden Weinkonsum und Druck auf die Preise, die Winzer bräuchten Absatzmöglichkeiten und Preise, die eine wirtschaftliche Produktion erlauben.

Das größere Risiko wächst im Weingarten: die Goldgelbe Vergilbung

Während die Lese glimpflich ausgeht, breitet sich in den steirischen Weingärten eine Krankheit aus, die Rebstöcke dauerhaft kostet. Die Goldgelbe Vergilbung ist eine meldepflichtige Quarantänekrankheit. Übertragen wird sie von der Amerikanischen Rebzikade, die inzwischen in allen steirischen Weinbaugebieten flächendeckend vorkommt. Befallene Stöcke müssen samt Wurzel gerodet werden.

Der Lagebericht des Landes für 2025 zeichnet ein ernstes Bild:

  • 367 Rebproben wurden steiermarkweit untersucht, in 189 davon fand sich die Krankheit - mehr als die Hälfte.
  • Die meisten positiven Proben stammten aus der Südoststeiermark, aber auch in der Befallszone Leibnitz wurden neue Fälle gefunden. Sie wird deshalb erweitert.
  • Die Befallszonen umfassen inzwischen 35 Prozent der steirischen Rebfläche.
  • Bei rund zehn Prozent der Kontrollen leiteten die Bezirkshauptmannschaften Strafverfahren ein, weil vorgeschriebene Bekämpfungen nicht gemacht worden waren.

Das Land hat angekündigt, die Regeln zu verschärfen: In Befallszonen sollen die Besitzer ihre Weingärten selbst auf befallene Stöcke kontrollieren und diese ohne vorherige Laborprobe roden müssen. Die Landwirtschaftskammer hat heuer drei Warnmeldungen zur Rebzikade ausgegeben, am 29. Mai, am 15. Juni und am 3. Juli.

Betroffen sind nicht nur Weinbaubetriebe. Weinstöcke und Weinhecken in Hausgärten gelten als Rückzugsort für die Zikade. Wer im Garten einen Stock mit eingerollten, vergilbten oder rötlichen Blättern und unreifen Trauben entdeckt, muss den Verdacht melden - an die Abteilung 10 des Landes in Haidegg unter abt10-haidegg@stmk.gv.at.

Wann es den neuen Jahrgang gibt

Den ersten Schluck vom Jahrgang 2026 gibt es als Sturm in den Buschenschänken. Das nächste Datum ist der 23. Oktober: Ab dann ist der Steirische Junker offiziell im Verkauf. Die große Junkerpräsentation folgt am Mittwoch, 4. November, von 17 bis 21 Uhr in der Grazer Stadthalle.

Davor feiert Gamlitz, die größte Weinbaugemeinde der Steiermark, von 1. bis 4. Oktober das Gamlitzer Weinlesefest. Wo man den Wein direkt beim Winzer probiert, steht unter Buschenschank in Leibnitz und Weingüter in der Südsteiermark.

Häufige Fragen

Wie groß ist die Weinernte 2026 in der Steiermark?

Statistik Austria schätzt sie auf 223.490 Hektoliter (Stand 31. August 2026). Das sind 8,7 Prozent weniger als 2025, aber 6,7 Prozent mehr als im Schnitt der Jahre 2021 bis 2025. Österreichweit fällt die Ernte um 31 Prozent kleiner aus.

Wann hat die Weinlese 2026 in der Südsteiermark begonnen?

Die Hauptlese begann Anfang September, einzelne Betriebe planten schon für Ende August. Üblich ist ein Beginn im September, Winzer zählen 2026 zu den frühesten Lesen in der Südsteiermark.

Ab wann gibt es den Steirischen Junker 2026?

Ab 23. Oktober 2026. Die Junkerpräsentation findet am 4. November 2026 von 17 bis 21 Uhr in der Stadthalle Graz statt.

Stand: 23. September 2026 · Erntezahlen: Statistik Austria, Weinernte und Weinbestand (Schätzung 2026 vom 31. August, Endergebnisse 2021 bis 2025). Lesebeginn und Zitate Polz: ORF Steiermark, 14. August 2026. Kleinste Ernte seit 2010: Vinaria, 14. September 2026. Jahrgang und Markt: Landwirtschaftskammer Österreich, 10. September 2026. Goldgelbe Vergilbung: Land Steiermark, Lagebericht 2025 und LK Steiermark. Junker: Wein Steiermark.