Weingut Polz: Verkauf, Rückkauf und Neustart am Grassnitzberg
Im März 2020 gehörte eines der bekanntesten Weingüter der Südsteiermark plötzlich einem Wiener Immobilienunternehmer. Zwei Monate später gehörte es wieder der Familie - allerdings nur noch der Kern. Was dazwischen geschah, ist der ungewöhnlichste Eigentümerwechsel, den die Weinwirtschaft des Bezirks in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, und er erklärt, warum Polz heute mit rund 80 Hektar auskommt, wo es einmal 105 waren.
Vom Weingut zum Verbund
Das Weingut am Grassnitzberg gibt es seit 1912. Ende der 1980er-Jahre übernahmen die Brüder Erich und Walter Polz, und sie gehörten zu den Ersten in der Steiermark, die Mitte der Achtziger vom Fasswein auf trockenen Qualitätswein umstellten - eine Entscheidung, die dem gesamten steirischen Weinbau den Weg wies.
In den drei Jahrzehnten danach wuchs das Weingut zu einem Verbund: bis zu 105 Hektar Rebfläche, das Gut Pössnitzberg mit Hotel in Leutschach, die Vinofaktur in Vogau als Handels- und Logistikbetrieb, dazu zeitweise das Weingut Tscheppe, der Weinkeller von Schloss Seggau und der Betrieb Miro Vino auf der slowenischen Seite der Grenze. Erichs Sohn Christoph ist seit 2011 Kellermeister, der zweite Sohn Erich junior führte das vom Stift Heiligenkreuz gepachtete Weingut Thallern in Niederösterreich.
März 2020: ein Investor übernimmt alles
Ende März 2020 wurde bekannt, dass der Wiener Immobilienunternehmer Thomas Levenitschnig die Anteile an sämtlichen Betrieben der beiden Brüder übernommen hatte - das Weingut samt Keller und Buschenschank, die Vinofaktur und das Hotel am Pössnitzberg. Wie die neue Struktur aussehen sollte, blieb selbst für die Fachpresse unklar: Die Kleine Zeitung berichtete, Erich und Walter Polz würden das Weingut weiterführen und Levenitschnig werde Geschäftsführer. Falstaff schrieb dagegen, Erich Polz senior ziehe sich zurück und bleibe nur Pächter in Thallern. Das Fachportal wein.plus fasste den Stand am 25. März in einer Überschrift zusammen, die von einer noch unklaren Eigentümerstruktur sprach.
Der Rückkauf
Rund zwei Monate später kaufte die Familie zurück - aber nicht alles. Zurück ging das Kernweingut in Straß mit den Rieden Grassnitzberg, Hochgrassnitzberg und Obegg sowie dem Buschenschank. Die Vinofaktur ging nach übereinstimmenden Berichten an Walter und Renate Polz, das Gut Pössnitzberg mit dem Hotel blieb vollständig beim Investor. Der erklärte Zweck der Konstruktion: eine über die Jahre unübersichtlich gewordene Eigentümerstruktur bereinigen und die nächste Generation in den Betrieb holen.
Im Oktober 2020 wurde die alte Erich & Walter Polz GmbH in die neu geschaffene Weingut Polz GmbH mit Sitz Am Graßnitzberg 39 in Straß verschmolzen. Damit war der Umbau auch gesellschaftsrechtlich abgeschlossen.
Der Dirigent übernimmt
Seit dem Frühjahr 2020 leitet Erich Polz junior das Weingut, damals 36 Jahre alt. Sein Werdegang ist für einen Winzer ungewöhnlich: Nach dem Studium von Weinbau und Weinwirtschaft in Wien wandte er sich der Musik zu, studierte Dirigieren am Wiener Konservatorium, war Assistent bei den Tiroler Festspielen Erl und dirigierte 2017 das Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters St. Gallen. Zwischendurch führte er das Pachtweingut Thallern. Sein Bruder Christoph blieb, was er seit 2011 ist: Kellermeister.
Der Kurs seither heißt Verkleinerung. Die Rebfläche sank von 105 auf 85 Hektar, das Ziel liegt knapp unter 80. Aufgegeben wurden das Hotel, die Weinflächen in Leutschach und die Vinofaktur, die verbliebenen Weingärten werden auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Heute stehen rund 80 Hektar im Ertrag, zu 90 Prozent weiße Sorten - Welschriesling, Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller und Morillon -, aus denen etwa eine halbe Million Flaschen im Jahr entstehen. Erich Polz junior beschreibt das Ziel als Rückbesinnung auf das Wesentliche, auf das, wofür Polz einmal stand.
Was aus den abgespaltenen Teilen wurde
Das Gut Pössnitzberg läuft als Gut-Pössnitzberg GmbH weiter, Geschäftsführer ist Hoteldirektor Rainer Ogrinigg, Levenitschnig steht im Hintergrund. Zum Haus gehört das Restaurant Kreuzwirt am Pössnitzberg, das unter Küchenchef Daniel Rauter zwei Hauben hält - mit Weinen des Nachbarn Hannes Sabathi, nicht mehr von Polz.
Die Vinofaktur in Vogau besteht als vinofaktur Handel GmbH mit Weinhandel, Bistro und Logistik weiter. Wer heute hinter der Gesellschaft steht, weist die Website nicht aus.
Die Chronologie
| Wann | Was |
|---|---|
| 1912 | Gründung des Weinguts in Spielfeld |
| Mitte 1980er | Umstellung auf trockenen Qualitätswein, als erste in der Steiermark |
| Ende 1980er | Erich und Walter Polz übernehmen die Leitung |
| 2011 | Christoph Polz wird Kellermeister |
| März 2020 | Thomas Levenitschnig übernimmt die Anteile an allen Betrieben |
| Frühjahr 2020 | Rückkauf des Kernweinguts durch die Familie rund zwei Monate nach dem Verkauf; Erich Polz jun. übernimmt die Leitung |
| Oktober 2020 | Verschmelzung in die Weingut Polz GmbH, Straß |
| seit 2020 | Rückbau von 105 auf rund 80 Hektar, Bio-Umstellung |
Häufige Fragen
Wem gehört das Weingut Polz heute?
Der Familie Polz. Geführt wird es von Erich Polz junior, sein Bruder Christoph ist Kellermeister. Das Weingut firmiert seit Oktober 2020 als Weingut Polz GmbH mit Sitz in Straß.
Was hat der Investor behalten?
Das Gut Pössnitzberg mit Hotel und dem Restaurant Kreuzwirt in Leutschach. Es wird von der Gut-Pössnitzberg GmbH betrieben.
Wie groß ist das Weingut heute?
Rund 80 Hektar, zu 90 Prozent weiße Sorten, mit etwa 500.000 Flaschen im Jahr. Vor dem Umbau waren es 105 Hektar.
Warum wurde überhaupt verkauft?
Nach Darstellung der Beteiligten, um die gewachsene Eigentümerstruktur zu bereinigen und die nächste Generation in den Betrieb zu holen. Der Rückkauf betraf gezielt nur das Weingut mit seinen wichtigsten Rieden.
Wo liegt das Weingut?
Am Graßnitzberg 39 in 8472 Straß in Steiermark, am Grassnitzberg zwischen Spielfeld und der slowenischen Grenze. Dort befindet sich auch das Kellerstöckl mit Verkauf und Buschenschank.
Stand: September 2026 · Zum Verkauf 2020: wein.plus und Falstaff; zum Neustart: Dreams Happen und weingutpolz.at; Firmendaten laut Firmenbuch. Kaufpreis und heutige Anteilsverhältnisse sind nicht öffentlich.