Im südlichen Teil des Bezirks Leibnitz erstreckt sich eine der eindrucksvollsten kleinstrukturierten Kulturlandschaften Mitteleuropas: der Naturpark Südsteiermark. Mit einer Fläche von rund 417 Quadratkilometern und etwa 49.200 Einwohnern ist er der bevölkerungsreichste Naturpark der Steiermark. Die 15 Naturpark-Gemeinden – darunter Gamlitz, Leutschach, Ehrenhausen und Kitzeck -haben sich einer gemeinsamen Vision verschrieben: den Menschen als aktiven Gestalter dieses einzigartigen Ökosystems zu begreifen. Als beliebtes Ausflugsziel verbindet der Naturpark authentisches Naturerlebnis mit steirischer Genusskultur.
Schützen durch Nützen – Das Vier-Säulen-Modell
Anders als Nationalparke, die auf Unberührtheit setzen, verfolgt der Naturpark Südsteiermark das Motto „Schützen durch Nützen“. Die ökologische Vielfalt dieser steirischen Hügellandschaft ist erst durch jahrhundertelange menschliche Kultivierung entstanden. Streuobstwiesen, extensive Weidelandschaften, bunte Blumenwiesen und die charakteristischen Weingärten bilden ein Mosaik aus Lebensräumen, das ohne nachhaltige Bewirtschaftung durch natürliche Verwaldung verloren ginge.
Das strategische Fundament bildet das Vier-Säulen-Modell:
- Naturschutz: Erhalt ökologisch wertvoller Habitate und Naturschutzgebiete
- Erholung: Über 50 Wanderwege und Radrouten für Besucher und Einheimische
- Bildung: 14 zertifizierte Naturpark-Schulen und 17 Naturpark-Kindergärten
- Regionalentwicklung: Vermarktung heimischer Produkte unter der Marke „Naturpark-Spezialitäten“
Weitere Informationen bietet die offizielle Website des Naturparks.
Naturjuwele und Schutzgebiete erleben
Die geografische Lage an der Grenze zu Slowenien beschert der Region ein besonderes Klima. Die illyrische Klimaprovinz mit milden Wintern und feucht-warmen Sommern ermöglicht das Gedeihen von Arten, die sonst eher im mediterranen Raum heimisch sind. Auf den Magerwiesen des Sausals blühen seltene Orchideen wie das Helm-Knabenkraut.
Als Naturjuwele werden besonders wertvolle Lebensräume innerhalb der Kulturlandschaft bezeichnet. Der Naturpark beherbergt gleich mehrere dieser Schätze: Die Heiligengeistklamm bei Leutschach zählt zu den ökologisch wertvollsten Klammen der Steiermark. Die Remschniggalm ist mit rund 742 Metern die tiefstgelegene Alm Österreichs. Am Demmerkogel erstreckt sich die berühmte Schmetterlingswiese, ein Paradies für Insektenliebhaber.
Innerhalb des Naturparks existieren neun Naturschutzgebiete. Das Attemsmoor bei Leibnitz stellt ein bedeutendes Niedermoor dar, in dem die Sibirische Schwertlilie vorkommt. Die Sulmauen und die Fließgewässer von Saggau und Laßnitz sind Refugien für seltene Arten. Das Natura 2000-Gebiet „Demmerkogel-Südhänge“ unterstreicht die europäische Bedeutung dieser Landschaft.
Die Tierwelt umfasst bemerkenswerte Leitarten: Der Wiedehopf mit seiner charakteristischen Federhaube bevorzugt die trocken-warmen Streuobstwiesen, während die leuchtend grüne Smaragdeidechse in den Trockenmauern der Weingärten ideale Lebensbedingungen findet.
Das Weinland par excellence – Südsteirische Weinstraße entdecken
Der Weinbau prägt das Gesicht des Naturparks wie kein anderes Element. Mit rund 2.800 Hektar Anbaufläche ist die Südsteiermark das größte Weinbaugebiet der Steiermark. Entlang der berühmten Südsteirischen Weinstraße und der Sausaler Weinstraße reihen sich Weingüter und Buschenschänke aneinander – ein Erholungs– und Genussparadies.
Das DAC-Herkunftssystem schützt die Typizität der regionalen Weine:
| Qualitätsstufe | Beschreibung | Verkauf ab |
|---|---|---|
| Südsteiermark DAC | Frische, primärfruchtige Weine aus dem gesamten Gebiet | 1. März |
| Ortswein | Weine mit dem Charakter einer Gemeinde (z.B. Gamlitz) | 1. April |
| Riedenwein | Höchste Stufe mit Ausdruck des spezifischen Terroirs | 1. Mai |
Sauvignon Blanc hat sich mit 26 Prozent der Rebfläche zur Leitsorte entwickelt. Detaillierte Informationen bietet Wein Steiermark.
Klapotetz und Buschenschank – Genuss mit Tradition
Der Klapotetz, ein klapperndes Windrad, diente ursprünglich als Vogelscheuche und gilt heute als akustisches Wahrzeichen der kleinstrukturierten südsteirischen Kulturlandschaft. Traditionell wird er am Jakobitag (25. Juli) aufgestellt und am Martinstag (11. November) wieder abgebaut.
Die Buschenschank ist ein gesetzlich geschützter kultureller Raum und beliebtes Ausflugsziel. Die klassische Brettljause mit Selchfleisch, Verhackertem, Käferbohnen und Kürbiskernöl verkörpert steirischen Genuss in seiner ursprünglichsten Form.
Besucherzentrum und Sehenswürdigkeiten
Als idealer Startpunkt für Naturerlebnisse dient das Besucherzentrum Grottenhof in Leibnitz. Hier informieren Ausstellungen über die Besonderheiten der Region, und Naturvermittler bieten geführte Touren zu den schönsten Plätzen an.
In Großklein befindet sich eine der größten hallstattzeitlichen Nekropolen Europas. Das Hallstattzeitliche Museum zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Region. Schloss Seggau thront seit fast 1.000 Jahren über Leibnitz und bietet neben historischen Räumlichkeiten auch Weinverkostungen an. Der Naturpark Südsteiermark wurde 2018 vom Verband der Naturparke Österreichs zum „Naturpark des Jahres“ gekürt – eine Auszeichnung für die vorbildliche Verbindung von Naturschutz, Erholung, Bildung und Regionalentwicklung.