
Die offizielle Absage
Am Donnerstag, 24. September, machten Kos und Pießnegger per Presseaussendung offiziell, was Kos schon in der Gemeinderatssitzung angekündigt hatte. Das Fest ohne Beschluss trotzdem auszurichten, kam für den Bürgermeister nicht infrage: Er hätte sich damit nach eigener Aussage dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs ausgesetzt. Auch zusätzliche Sponsoren änderten daran nichts mehr. Einige hätten angerufen und über 10.000 Euro Unterstützung angeboten, sagte Kos dem ORF Steiermark, abgesagt werden müsse trotzdem. Der Grund liegt in der Haushaltsregel, an der die Finanzierung schon im Gemeinderat hing: Einnahmen fließen ins Gesamtbudget, die Ausgaben des Festes müssen in seiner eigenen Haushaltsstelle gedeckt sein.
Umsonst ist auch die Absage nicht. Für bereits geschaltete Werbung und Stornogebühren entstehen der Stadt Kosten im mittleren vierstelligen Bereich.
Festkoordinator Gerald Hofer hatte das Fest ein halbes Jahr lang vorbereitet. Die Absage sei die Folge einer politischen Entscheidung, „die ich persönlich in keiner Weise nachvollziehen kann". Pießnegger, als Vizebürgermeister auch für den Tourismus zuständig, hält es für nicht nachvollziehbar, dass ein Projekt, das Menschen nach Leibnitz bringt, im Gemeinderat keine Mehrheit findet. Kos kündigte an, dass das Fest im kommenden Jahr wieder stattfinden soll, und Hofer sagt: „Wir arbeiten schon am Erntedankfest 2027."
Die Reaktionen von Bürgerforum und SPÖ
Finanzstadträtin Manuela Kittler (Bürgerforum), deren Fraktion als Koalitionspartner von FPÖ und ÖVP großteils gegen die Umschichtung gestimmt hatte, sieht den Fehler in der Planung. „Das ist jetzt die logische Konsequenz, wenn man nicht ordnungsgemäß und transparent plant", sagte sie dem ORF. Kittler hatte einen Maßnahmenkatalog mit einem Sparpotenzial von einer Million Euro vorgelegt, den FPÖ und ÖVP ablehnten. Die Koalition bleibt trotz des Streits bestehen.
Die SPÖ, mit zwölf Mandaten stärkste Fraktion, hatte die dreitägige Variante im Stadtrat noch mitgetragen und im Gemeinderat dagegen gestimmt. Vizebürgermeister René Kniewallner begründet das mit den Prioritäten der Stadtregierung: „Solange das Erntedankfest wichtiger genommen wird als eine Unterstützung von 40 Euro für Familien, kann es von uns keine Zustimmung zu diesen Prioritäten geben." Gemeint ist der Zuschuss der Stadt von 40 Euro pro Kind für Sommercamps, der heuer noch nicht ausgezahlt wurde. Auf eine Anfrage von Anita Winkler (Grüne) hieß es in der Fragestunde der Sitzung, die Stadt müsse derzeit jeden Euro dreimal umdrehen, um die Fixkosten zu sichern; für den Zuschuss werde eine Lösung gesucht.
Warum die Finanzierung scheiterte
In der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 22. September, fand Bürgermeister Daniel Kos (FPÖ) keine Mehrheit dafür, 25.000 Euro aus vier anderen Haushaltsstellen zum Fest umzuschichten. Noch in der Sitzung erklärte er das Erntedankfest für abgesagt und sagte zur Mehrheit im Saal: „Ich hoffe, ihr wisst, was ihr damit angerichtet habt."
Budgetiert waren laut Finanzstadträtin Manuela Kittler (Bürgerforum) ursprünglich 27.400 Euro. Weil Rechnungen aus dem Vorjahr erst heuer eingelangt waren, blieben davon nach Angaben von Vizebürgermeister Jochen Pießnegger (ÖVP) 24.000 Euro. Für drei Festtage hätte das gereicht, wären Einnahmen und Ausgaben gegeneinander aufzurechnen gewesen. Im Haushalt einer Gemeinde geht das nicht: Standgebühren, Sponsorgelder und Förderungen fließen ins Gesamtbudget, die Ausgaben müssen dagegen vollständig in der Haushaltsstelle des Festes gedeckt sein. Das sei anfangs nicht bekannt gewesen, räumte Kos ein. Die Nachdotierung stand deshalb im zweiten Nachtragsvoranschlag, und der scheiterte am selben Abend.
Was das Fest gekostet hätte
Pießnegger, zugleich Tourismusobmann, legte dem Gemeinderat eine Aufstellung vor. Eine in Medien genannte Summe von 60.000 Euro stimme so nicht, die Stadt hätte für drei Tage deutlich weniger getragen:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Budget der Stadt im Haushalt | 24.000 Euro |
| Förderung des Landes Steiermark | 10.000 Euro |
| Sponsoring, Gastro-Standgebühren, Hobbykünstlermarkt | 19.800 Euro |
| Mittel insgesamt | 53.800 Euro |
| Ausgaben für drei Tage | 48.353 Euro |
| Kosten für die Stadt, drei Tage (Ausgaben minus Einnahmen) | 18.553 Euro |
| Kosten für die Stadt, ein Tag (Schätzung) | rund 30.000 Euro |
Dass ein einziger Festtag teurer käme, begründete Pießnegger mit wegfallenden Einnahmen: Die Förderung des Landes von 10.000 Euro fiele weg, Sponsoren würden nach seiner Annahme nur die Hälfte zahlen, mehrere Gastronomen wollten für einen einzigen Tag nicht kommen, und der Hobbykünstlermarkt entfiele. Bei rund 38.000 Euro Ausgaben blieben der Stadt so etwa 30.000 Euro. Die Wertschöpfung schätzte er für drei Tage auf 250.000 Euro, gerechnet mit 5.000 Besuchern, für einen Tag auf 120.000 Euro.
Die Abstimmung über 25.000 Euro
Nachdem der Nachtragsvoranschlag gefallen war, brachte Kos kurz vor Sitzungsende die Umschichtung ein. Das Geld sollte aus diesen Haushaltsstellen kommen:
- Innenstadtbelebung: 10.000 Euro
- Gemeinschaftspflege: 5.000 Euro
- Verfügungsmittel des Bürgermeisters: 5.000 Euro
- Förderungen an private Haushalte (Sportförderung): 5.000 Euro
Was ein Nein bedeutet, hatte Kos vorher angekündigt: Komme der Beschluss nicht zustande, „dann wird es in Leibnitz kein Erntedankfest geben", auch kein eintägiges. Vieles sei bereits beauftragt. Für den Antrag stimmten FPÖ und ÖVP, dazu Willibald Rachholz vom Bürgerforum und Anita Winkler von den Grünen. Bürgerforum, NEOS und SPÖ stimmten dagegen, Sarah Kouba (SPÖ) enthielt sich.
Die Positionen im Gemeinderat
Den Ausschlag gab, dass das Bürgerforum als Partner in der Rathauskoalition mit FPÖ und ÖVP nicht mitging. Kittler lehnte die Umschichtung ab: Das Fest habe eine eigene Haushaltsstelle, dort gehörten die Kosten hin, mit „klarer Transparenz". Mittel aus der Gemeinschaftspflege heranzuziehen, die für die Weihnachtsfeier der Gemeindebediensteten gedacht seien, sei „keine Kostenwahrheit". Kos widersprach, die Mitarbeiterfeier werde nicht angetastet, er selbst verzichte auf seine Verfügungsmittel. Kittler hatte schon im Stadtrat gegen die dreitägige Variante gestimmt und eine Beschränkung auf einen Tag verlangt.
Erster Vizebürgermeister René Kniewallner (SPÖ) gab ihr im Nachhinein recht. Die SPÖ sei im Stadtrat mitgegangen, um ein Fest nicht zu verhindern. Wer drei Tage feiern wolle, hätte aber von Anfang an entsprechend budgetieren müssen, statt niedrig anzusetzen und später nachzubessern. Aus der Opposition kam außerdem der Hinweis, das Erntedankfest sei vor 18 Monaten Bedingung im Arbeitsübereinkommen der Koalition gewesen; dass es nun am Bürgerforum scheitere, dürfe man nicht dem ganzen Gemeinderat anlasten.
Wie es weitergeht
Eine kleinere Ersatzveranstaltung im Oktober gibt es nicht. Das eintägige Fest, das das Bürgerforum bevorzugt hatte, wäre nach Pießneggers Rechnung ohnehin teurer gekommen als drei Festtage. Getroffen hat die Absage vor allem jene, die schon zugesagt hatten: mehr als 80 angemeldete Hobbykünstler, mehr als 13 Gastronomiebetriebe und über 20 Gruppen für den Umzug; die Anmeldefrist für den Markt war am 11. September abgelaufen.
Wie das angekündigte Erntedankfest 2027 aussehen soll, ob wieder mit drei Tagen und Umzug, ist noch offen. Das Geld dafür muss der Gemeinderat mit dem Voranschlag für 2027 bereitstellen, und zwar vollständig in der Haushaltsstelle des Festes. Die Aufzeichnung der Sitzung war bis 29. September im Newsroom der Stadtgemeinde abrufbar.
Was geplant war
Das Fest unter dem Motto „Stadt. Land. Dank." hätte erstmals drei Tage gedauert statt wie zuletzt einen:
- Freitag9. Oktober, ab 17.30 UhrAuftakt im unteren Bereich des Hauptplatzes mit zwei Live-Bands auf der Hauptbühne und regionaler Kulinarik.
- Samstag10. Oktober, ab 11 UhrHobbykünstlermarkt mit mehr als 80 angemeldeten Ausstellern, ab 11 Uhr zwei Bühnen mit Live-Musik, Kinderprogramm und mehr als 13 Gastronomiestände aus der Region.
- Sonntag11. Oktober, ab 9.30 UhrSegnung der Erntekrone, Festmesse und Sternmarsch der Musikkapellen, um 14.30 Uhr der Erntedankumzug durch die Innenstadt mit mehr als 20 angemeldeten Gruppen.
Die Erntekrone sollte am Sonntag von der Klosterkirche zur Stadtpfarrkirche gebracht werden, vorbereitet wurde der Tag gemeinsam mit der Pfarre Leibnitz. Musikalisch sollten die Stadtkapelle Leibnitz, die Musikkapelle Seggauberg und der Musikverein Kaindorf an der Sulm das Fest tragen, deren Mitglieder schon bei der Plakatpräsentation am 22. Juni vor dem Rathaus gespielt hatten.
Vom Südsteirischen Herbstfest zum Erntedankfest
Das Südsteirische Herbstfest war jahrzehntelang eine Sache des Tourismusverbands Leibnitz Südsteiermark: zwei Tage am Hauptplatz bei freiem Eintritt, mit einem Südsteiermark-Dorf voller Wirte und Winzer, Blasmusik, Trachtenmodeschau und am Sonntag Erntedankgottesdienst, Frühschoppen und Festumzug. Die letzte Auflage dieser Art fand am 12. und 13. Oktober 2019 statt.
Danach gab der Tourismusverband die Veranstalterrolle ab. Obmann Herbert Germuth verwies 2022 darauf, dass rund 100 Veranstaltungen in der Region die Personalressourcen des Verbands übersteigen würden; der Verband konzentriere sich auf touristische Infrastruktur und unterstütze örtliche Veranstalter mit Marketing und Verwaltung. Die Stadt richtete im selben Jahr am 15. Oktober ein Genussfest ohne Festumzug aus, was im Gemeinderat für Kritik sorgte. Unter diesem Namen lief der Herbsttermin auch 2023 und 2024 - jeweils ein Tag am Hauptplatz mit Kulinarik, Wein, Volksmusik und Hobbykünstlermarkt, 2024 am 12. Oktober.
2025 trug das Fest wieder seinen alten Namen: ein Tag am Hauptplatz mit zwei Bühnen und Hobbykünstlermarkt, aber noch ohne Zug. Für 2026 plante die Stadtgemeinde drei Festtage mit Umzug, unterstützt von Sponsoren, unter anderem den Raiffeisenbanken des Bezirks. Die Nachfinanzierung scheiterte im September im Gemeinderat, das Fest wurde abgesagt. 2027 soll es wieder stattfinden.
Häufige Fragen
Findet das Erntedankfest Leibnitz 2026 statt?
Nein. Bürgermeister Daniel Kos und Vizebürgermeister Jochen Pießnegger haben das für 9. bis 11. Oktober 2026 geplante Fest am 24. September offiziell abgesagt, zwei Tage nachdem der Gemeinderat die Finanzierung abgelehnt hatte. Auch der Erntedankumzug am Sonntag entfällt.
Gibt es eine eintägige Ersatzveranstaltung?
Nein. Kos hatte schon in der Gemeinderatssitzung erklärt, dass es ohne die beantragte Umschichtung gar kein Erntedankfest geben wird, auch kein eintägiges. Ein einzelner Festtag hätte die Stadt nach der Rechnung von Pießnegger rund 30.000 Euro gekostet und damit mehr als drei Tage, weil die Landesförderung und ein Teil der Einnahmen weggefallen wären.
Gibt es 2027 wieder ein Erntedankfest?
Angekündigt ist es. Bürgermeister Kos und Festkoordinator Gerald Hofer wollen das Fest im kommenden Jahr wieder ausrichten. Termin und Umfang stehen noch nicht fest, die Mittel muss der Gemeinderat mit dem Voranschlag für 2027 beschließen.
Was kostet die Absage die Stadt?
Einen Betrag im mittleren vierstelligen Bereich, vor allem für bereits geschaltete Werbung und Stornogebühren.
Was hätte das Fest die Stadt gekostet?
Unterm Strich 18.553 Euro für drei Tage, gerechnet mit 48.353 Euro Ausgaben und Einnahmen aus Landesförderung, Sponsoring, Standgebühren und Hobbykünstlermarkt. Eine eintägige Variante hätte die Stadt nach derselben Rechnung rund 30.000 Euro gekostet, weil die Landesförderung und ein Teil der Einnahmen weggefallen wären.
Heißt das Fest Herbstfest oder Erntedankfest?
Beides ist gebräuchlich. Offiziell hieß es 2026 Leibnitzer Erntedankfest, mit dem Motto „Stadt. Land. Dank." Der ältere Name Südsteirisches Herbstfest stammt aus der Zeit, als der Tourismusverband das Fest ausrichtete.
Wann gab es zuletzt einen Erntedankumzug in Leibnitz?
Am 13. Oktober 2019, beim letzten Südsteirischen Herbstfest des Tourismusverbands. Der für 11. Oktober 2026 geplante Umzug wäre der erste seither gewesen.
Stand: 24. September 2026 · Kosten, Abstimmung und Fragestunde nach der Aufzeichnung der Gemeinderatssitzung vom 22. September 2026; offizielle Absage und Stellungnahmen nach ORF Steiermark und der Presseaussendung vom 24. September, wiedergegeben von MeinBezirk Leibnitz; Vorgeschichte aus der Berichterstattung von MeinBezirk Leibnitz.